Neues Wasserwerk vor Fertigstellung

Donnerstag, 24. März 2022

 

Mit dem Neubau des Wasserwerks in Beuron-Langenbrunn steht die größte Einzelinvestition vor der Fertigstellung. Das Investitionsvolumen liegt bei 9,5 Mio. Euro. Neues Mitglied im Verwaltungsrat des Zweckverbands ist Kolbingens Bürgermeister Christian Abert.

Zur diesjährigen Verbandsversammlung des Zweckverbands Wasserversorgung Hohenberggruppe hatte dessen Vorsitzender, Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft, die Verbandsmitglieder in die Hohenzollernhalle nach Frohnstetten eingeladen.

In den Mittelpunkt seines Berichts stellte Frank Schroft das neue Wasserwerk der Hohenberggruppe in Beuron-Langenbrunn, das eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Versorgung des Verbandsgebietes mit Trinkwasser gewährleiste. Den ursprünglich anvisierten Inbetriebnahmetermin für dieses Meilensteinprojekt im Dezember letzten Jahres habe man aufgrund von Lieferengpässen bei der technischen Ausstattung sowie coronabedingten Personalausfällen in den beauftragten Unternehmen nicht ganz halten können. Am Donnerstag, 10. März 2022, sei nun aber die Ultrafiltrationsanlage im neuen Wasserwerk in Betrieb genommen worden, so Schroft weiter.

Im nächsten Schritt solle auch die Wasserenthärtungsanlage ans Netz gehen. Diese werde künftig in der Lage sein, die Wasserhärte deutlich zu reduzieren von derzeit 17 °dH auf 9 °dH (Grad deutscher Härte). Die Filter der Anlage seien bereits geliefert und montiert. Einzig die Lieferung der Edelstahlzu- und -ableitungen bereite ebenfalls aufgrund von Lieferengpässen Probleme. Man hoffe jedoch auf eine Inbetriebnahme der Enthärtungsanlage noch vor den Sommerferien.

Zunächst kämen gut 75 Prozent des Versorgungsgebiets in den Genuss des enthärteten Wassers. Da die Gemeinden Stetten a.k.M. und Schwenningen sowie die Meßstetter Stadtteile Hartheim, Heinstetten und Unterdigisheim und der Großteil der Kernstadt Meßstetten (bis auf die Gebiete Weichenwang, Sickersberg und Hinter Winkel) über die Niederdruck-Aufbereitung im Wasserwerk Hammer versorgt werden, könne man diese zunächst jedoch noch nicht mit enthärtetem Wasser bedienen. Für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger solle jedoch so schnell wie möglich Abhilfe geschaffen werden. Direkt im Anschluss an die Fertigstellung der Arbeiten am neuen Wasserwerk nehme man die erforderlichen Planungen auf. „Entsprechende Mittel werden im Wirtschaftsplan 2022 zur Verfügung gestellt“, so der Verbandsvorsitzende weiter. Als Grundlage hierfür sei im vergangenen Jahr bereits eine Untersuchung der Kohlwaldquellen und deren Fassungen erfolgt.

Gewohnt zuverlässig habe die Hohenberggruppe auch während der Corona-Pandemie gut 100.000 Bürgerinnen und Bürger mit hochwertigem Trinkwasser versorgt. Im Hinblick auf die Jahresabgabe, die mit rd. 3.200.000 m³ bereits im zweiten Jahr hintereinander einen Höchstwert im Vergleich zu den vorangegangenen acht Jahren darstelle, verwies er auf Informationen aus dem Bundesumweltministerium, das in Zukunft mit zunehmender Wasserknappheit rechne. Demnach sinke der Grundwasserpegel in Deutschland seit 2010 kontinuierlich. Nach Erkenntnissen des Grace-Experiments betrage der Wasserrückgang in Deutschland rund 2,5 Kubikkilometer im Jahr. Damit habe Deutschland weltweit den höchsten Wasserverlust.

Auch im Versorgungsgebiet der Hohenberggruppe mache sich der abgesunkene Grundwasserspiegel dahingehend bemerkbar, dass die A-Mitglieder, die sich eigentlich aus Eigenwasservorkommen versorgen, vermehrt Wasser von der Hohenberggruppe beziehen, da deren Quellen in den vergangenen Jahren nicht nachhaltig geschüttet haben.

Aufgrund dieser Entwicklung erstelle das Land Baden-Württemberg derzeit landesweit einen „Masterplan Wasserversorgung“. Hierzu werde das aktuell zur Verfügung stehende Rohwasserdargebot ermittelt. Auf Basis dieser Daten prüfe das Land, welche Wasserzweckverbände Kooperationen eingehen könnten, um sich bei anhaltenden Dürreperioden gegenseitig mit Wasser auszuhelfen. Ganz aktuell informiere dieser Tage auch die ARD unter #unserWasser mit zahlreichen Beiträgen zum Thema Wasser und stelle dabei auch die problematische Grundwassersituation dar, so Schroft weiter.

Ein weiteres Thema, das die Hohenberggruppe derzeit beschäftige, sei eine mögliche Gefährdung durch Cyber-Angriffe, beispielsweise auf Rechnernetze mit Relevanz für die Versorgungssicherheit. Ein Zusammenbruch der Energie- und Wasserversorgung nur für wenige Tage könne für die Menschen den GAU bedeuten. Um hier sicher zu sein, installiere die Hohenberggruppe derzeit ein neues Leitsystem nach den Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Anschließend informierte der Technische Geschäftsführer, Timo Rademacher, über weitere aktuelle Maßnahmen der Hohenberggruppe. So stünden die Leitungsbaumaßnahmen Dietsteige und Quellsammelleitung Nusplingen kurz vor der Fertigstellung. Erstere sei aufgrund der Aufgabe des HB Dietsteige notwendig geworden. Die dortige Leitung werde künftig direkt an die große Pumpleitung vom Wasserwerk Hammer zum Hochbehälter Rauher Bühl in Meßstetten angeschlossen. Die Maßnahme in Nusplingen sei erforderlich geworden, da die bestehende Sammelleitung im Bachbett der Oberen Bära verlaufe und teilweise freigespült worden sei. Man verlege die Leitung auf einer Länge von 1,1 km.

Unter Tagesordnungspunkt 4 informierte Verbandsrechner Daniel Bayer, dass im Vermögensplan 2022 Investitionen in Höhe von knapp vier Millionen Euro eingeplant seien. Neben Mitteln für das neue Wasserwerk in Höhe von 1,75 Millionen Euro sowie einer Planungsrate für die Erneuerung der Aufbereitungstechnik im Wasserwerk Hammer in Höhe von 100.000 Euro nannte er beispielsweise die Aufdimensionierung eines Leitungsabschnitts vom Haupthochbehälter Hirschbühl mit 555.000 Euro, den Neubau des Hochbehälters Storzingen mit 250.000 Euro sowie eine Fallleitung von diesem Hochbehälter mit 200.000 Euro. Weiter ist nach den Worten des Verbandsrechners eine Kreditaufnahme in Höhe von 3,23 Millionen Euro vorgesehen.

Jeweils einstimmig erfolgte die Feststellung des Jahresabschlusses 2020 sowie des Wirtschaftsplans 2022.

Kolbingens Bürgermeister Christian Abert ist darüber hinaus als neues Mitglied in den Verwaltungsrat gewählt worden. Er ist Nachfolger des ausgeschiedenen Verwaltungsrats Bürgermeister a.D. Konstantin Braun.