Stadtrat Tarzisius Eichenlaub nach 27-jähriger Zugehörigkeit mit stehenden Ovationen aus den Reihen des Gemeinderats verabschiedet

Mittwoch, 26. Mai 2021

Im Rahmen der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag verabschiedete Bürgermeister Frank Schroft seinen 1. Stellvertreter Herrn Tarzisius Eichenlaub, der das Gremium aus persönlichen Gründen verließ. Zu Beginn seiner Laudatio zitierte der Schultes den Soziologen Max Weber mit den Worten „Politik ist starkes, langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ Wer sich, wie Herr Eichenlaub, 27 Jahre in der Kommunalpolitik engagiert habe, der wisse um die Bedeutung dieser Worte.

 

Gerade in der Kommunalpolitik seien die Auswirkungen der getroffenen Entscheidungen unmittelbar zu spüren. Die Zustimmung und die Kritik der Bürgerinnen und Bürger wirke wie ein Seismograph der Akzeptanz oder Ablehnung.

In der Umsetzung heiße Kommunalpolitik: Ideen haben, Pläne entwerfen, das Für und Wider abwägen, in Ausschüssen und im Gemeinderat für die eigene Überzeugung kämpfen, Mehrheiten gewinnen und Kompromisse machen. Anschließend gelte es, mit den richtigen Worten die Argumente zu kommunizieren.

Das alles habe Herr Eichenlaub rund 27 Jahre motiviert und engagiert erlebt und sich vorbildlich um das örtliche Gemeinwohl verdient gemacht. „Dafür bedanke ich mich auch im Namen aller Kolleginnen und Kollegen des gesamten Gemeinderats, der Stadtverwaltung und ich bin mir sicher auch im Namen der Bürgerschaft herzlich bei Ihnen“, so Bürgermeister Schroft weiter. Die Anerkennung und Wertschätzung seiner Arbeit für die Gesamtstadt Meßstetten manifestiere sich in seiner häufigen Wiederwahl.

Bei seinem kommunalpolitischen Wirken habe Herr Eichenlaub es sich selbst und anderen nicht immer leicht gemacht. Oftmals habe er bis zur letzten Minute seine eigenen Überlegungen in Frage gestellt und seine Meinung wohl begründet revidiert.

Im Rahmen eines Vergleichs bescheinigte Bürgermeister Schroft Herrn Eichenlaub gleichermaßen das Auffinden der berühmten „Triggerpunkte“ bei Patienten in seiner Funktion als Physiotherapeut sowie als Gemeinderat in der Lokalpolitik. Es komme darauf an, Dinge, die verbessert werden können, auch zu benennen.

So habe Herr Eichenlaub eine ganze Ära Meßstettens entscheidend mitgeprägt. Den Beginn seiner kommunalpolitischen Karriere datierte er mit der erstmaligen Wahl in den Gemeinderat auf den 12. Juni 1994. Diesem Einzug schlossen sich fünf erfolgreiche Wiederwahlen an, bei denen Eichenlaub mit konstant über 3.000 Stimmen immer zu den Stimmenkönigen gehört habe.

Neben der Mitgliedschaft in zahlreichen Ausschüssen und Arbeitsgruppen nannte der Schultes als herausragende Funktionen das Amt des 2. stellvertretenden Bürgermeisters von 1999 bis 2004 und von 2009 bis 2014, des 1. stellvertretenden Bürgermeisters von 2014 bis heute sowie den Fraktionsvorsitz der Freien Wählervereinigung seit September 2009.

Beispielhaft erinnerte Bürgermeister Schroft an einige Wegmarken und Projekte aus Eichenlaubs Mitwirken im Gemeinderat. So habe man unzählige Tief- und Straßenbaumaßnahmen umgesetzt - als herausstechend, weil ortsbildprägend nannte er die Sanierung der Ortsdurchfahrt im Hauptort und den Bau der beiden Kreisverkehre Richtung Unterdigisheim. Weiter habe er im Hauptort und in allen Stadtteilen die Schaffung von Bauplätzen engagiert befürwortet – flankiert vom Wohnungsbauförderungsprogramm für junge Familien und dem im Dezember 2017 ergänzten Programm zur Förderung der Innenentwicklung und Beseitigung von Leerständen.

Für Familien ebenfalls von großer Wichtigkeit bezeichnete er die umfangreichen Investitionen im Bereich der Kitas und Schulen. Insgesamt unterhalte die Stadt Meßstetten 67 Gebäude und setze in diesem Zusammenhang unzählige Sanierungsmaßnahmen – aber auch Neubauvorhaben und teils Abrisse um. Als Leuchtturmprojekte nannte er hier die Fertigstellung des neuen Rathauses samt Erwin-Gomeringer-Platz sowie die Generalsanierung der Heuberghalle mit Anbau eines Bewegungsbereichs. Regelmäßig im Fokus habe auch der Bereich Freizeit und Tourismus gestanden, zuletzt mit der Schaffung des neuen Sport- und Freizeitgeländes auf dem Blumersberg.

Mit dem Stadtentwicklungskonzept „Agenda Meßstetten 2030“, das der Gemeinderat im Jahr 2016 anstieß, rief Bürgermeister Schroft anschließend einen großen Meilenstein in der Weiterentwicklung Meßstettens in Erinnerung. Die Agenda solle als Leitplanke für das gesamte politische Handeln dienen und dabei „die Attraktivität Meßstettens für Jung und Alt, Familien und Alleinstehende, Unternehmer und Arbeitnehmer erhalten und steigern“.

Als Dauerthema, das Herrn Eichenlaub während seiner gesamten Gemeinderatstätigkeit begleitete, bezeichnete Bürgermeister Schroft die Zollernalb-Kaserne. Nach zunächst nur kleineren Umstrukturierungsmaßnahmen habe bereits im Jahr 2002 mit der damals anstehenden Strukturreform der Bundeswehr der Kampf um den Erhalt des Standortes Meßstetten begonnen. Den Auszug der letzten Soldaten aus der Kaserne datierte er auf den 30. Juni 2014. Nach diesem Tiefpunkt und den daraus resultierten Anstrengungen um eine sinnvolle Nachnutzung des Kasernenareals habe man jedoch mit der Gründung des Zweckverbandes für den interkommunalen Industrie- und Gewerbepark Zollernalb am 15. Oktober 2020 den Startschuss für eine bestmögliche Nutzung des Areals geben können. Ein Teil des Geländes werde künftig für das neue Sportzentrum genutzt, für das sich Herr Eichenlaub zusammen mit seinem Gemeinderats- und Fraktionsvorsitzendenkollegen Ernst Berger in besonderer Weise eingesetzt habe.

Nach diesem kurzen Streifzug durch die Arbeit des Gemeinderats während Herrn Eichenlaubs Wirken stellte der Schultes fest, „der eingangs verwendete Begriff einer „Ära“, die Sie als wichtiges Mitglied dieses Gremiums maßgeblich geprägt haben, ist uneingeschränkt gerechtfertigt“.

Über die kommunalpolitische Arbeit hinaus hob er auch das große ehrenamtliche Engagement Eichenlaubs in der Katholischen Kirchengemeinde „Bruder Klaus“ sowie in der Herzsportgruppe Heuberg hervor.

Im Namen des Gemeinderats, der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft bedankte sich Bürgermeister Schroft abschließend bei Herrn Eichenlaub nochmals für sein langjähriges Wirken und wünschte ihm für seine Zukunft alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit und Zufriedenheit.

Den Dankesworten und Wünschen von Bürgermeister Schroft schlossen sich anschließend auch die Stadträte Thomas Holl und Oliver Rentschler an. Eichenlaubs Fraktionskollege Holl bezeichnete ihn dabei als „das Gesicht und die Stimme der Fraktion der Freien Wähler“ und bescheinigte ihm, stets pflichtbewusst und diplomatisch zu sein und über einen großen Erfahrungsschatz zu verfügen. Stellvertretend für die Fraktionsmitglieder der CDU, Bürgerliste und Frauenliste bedauerte auch Stadtrat Rentschler das Ausscheiden Eichenlaubs aus dem Gremium nach vielen erfolgreichen Jahren. Mit seiner langjährigen Tätigkeit habe er für die Meßstetter Bürgerinnen und Bürger einen wichtigen Dienst geleistet.

Sichtlich bewegt ergriff Tarzisius Eichenlaub abschließend selbst das Wort. Er verlasse das Gremium mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Künftig wolle er mehr Zeit für seine Familie und insbesondere seine Enkelkinder haben. Er bedankte sich bei seinen Wählerinnen und Wählern, den Mitgliedern des Gemeinderates, der Verwaltung mit Bürgermeister Schroft an der Spitze sowie den Vertreterinnen und Vertretern der Presse. Seinem Nachfolger Klaus Fischer wünschte er alles Gute.

Mit stehenden Ovationen wurde Tarzisius Eichenlaub anschließend verabschiedet.