Einen Teil des Wasserpreises übernimmt die Stadt Meßstetten

Mittwoch, 14. Juli 2021

 

Ein warmer Geldregen für die Gesamtstadt: Meßstetten erhält in diesem Jahr eine Dividende von rund 230.000 Euro aus ihrem EnBW-Aktienpaket. Ein großer Teil dieses Geldes kommt unmittelbar der Bevölkerung zugute, denn die Verwaltung subventioniert damit den Wasserpreis der Bürgerinnen und Bürger.

Historisch bedingt, hält die Heubergstadt seit langer Zeit ein Aktienpaket des Energieversorgungsunternehmens Energie Baden Württemberg (EnBW). Derzeit umfasst es exakt 320.001 Aktien. Im Rahmen der virtuellen Mitgliederversammlung wurde für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von einem Euro pro Aktie festgelegt. Damit setzt sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre weiter fort: Im Jahr 2020 ist die Dividende um 0,30 Euro gestiegen – nach 0,50 Euro, 0,65 Euro und sogar 0,70 Euro pro Aktie in den Jahren 2017 bis 2019. Für die Stadt Meßstetten bedeutet dies nach Abzug der Steuern einen Auszahlungsbetrag von rund 230.000 Euro.

Geld, das die Stadt aktuell zum größten Teil ihrer Bevölkerung im Hauptort und in den Stadtteilen zugutekommen lässt: Sie subventioniert damit den Wasserpreis. Dieser reduziert sich für die Bürgerinnen und Bürger um 0,43 Euro pro Kubikmeter Wasser. Ein Vier-Personen-Haushalt spart dadurch etwa 55 Euro pro Jahr, so schätzt die Meßstetter Stadtkämmerei.

Zur Historie: Die EnBW-Aktien der Stadt Meßstetten werden gebündelt mit Aktien weiterer 94 Kommunen im Gemeindeelektrizitätsverband Schwarzwald-Donau (GSD) gehalten. Der Ursprung dieser Aktien reicht weit in die Vergangenheit zurück, das zeigt ein Blick ins Archiv. Ausgangspunkt ist das Wasserwerk Aistaig. Um die Wasserkraft zu verwerten, die für Pumpenzwecke nicht benötigt wurde, gründeten im Jahr 1913 insgesamt 53 Kommunen den „Gemeindeverband Überland Aistaig“. Dieser versorgte auch Meßstetten mit Strom. Wie vergleichbare andere Werke auch, ging der Verband jedoch im Jahr 1939 auf Geheiß des nationalsozialistischen Regimes in der Energie-Versorgung Schwaben (EVS) auf. Dies sei einer Enteignung und Entmündigung der beteiligten Kommunen gleichgekommen, so ist im Meßstetter Archivmaterial zu lesen.

In den Nachkriegsjahren erstritten die vormals in diesen Energiewerken organisierten Gemeinden ihre heutigen Beteiligungen an der Energieversorgung mehr oder weniger. Sie kämpften hartnäckig für eine eigentumsrechtliche Wiedergutmachung und eine Vertretung in den Organen der EVS. Am 15. November 1949 erreichten sie dieses Ziel mit der Gründung des Gemeindeelektrizitätsverbands Schwarzwald-Donau (GSD). Mitinitiator war damals der Meßstetter Alt-Bürgermeister Erwin Gomeringer. Die Stadt Meßstetten hielt über Jahrzehnte hinweg ihr Aktienpaket an der EVS und ab dem Jahr 1997 an der Nachfolgeorganisation EnBW. Im Jahr 2002 veräußerte sie mit rund 330.000 Aktien etwa die Hälfte ihres Pakets.