Städtisches Konzept ergänzt den ÖPNV: Das „Mitfahrbänkle“ bringt die Meßstetter zusammen

Mittwoch, 07. Juli 2021

 

Daumen raushalten war früher: In Meßstetten wartet man künftig auf dem „Mitfahrbänkle“! Vor allem Jugendliche und ältere Menschen erhalten dadurch die Möglichkeit, von A nach B zu gelangen, ohne ausschließlich auf den Bus angewiesen zu sein.

Meßstetten. Das Projekt, da ist sich Bürgermeister Frank Schroft sicher, bedeutet mehr Mobilität für den Heuberg. „In vielen Städten und Gemeinden wird die Idee der „Mitfahrbänkle“ bereits erfolgreich praktiziert“, erklärt Schroft. Nicht verstanden wissen will der Bürgermeister die neue Meßstetter Idee als Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV: Er sieht darin vielmehr eine sinnvolle Ergänzung. „Die Bänkle können beispielsweise die Bustakte überbrücken und so für mehr Flexibilität sorgen. Oder die Wartezeit bei schlechtem Wetter verkürzen“, erklärt der Meßstetter Rathauschef.

Ein weiterer Aspekt liegt Schroft sehr am Herzen. Die „Mitfahrbänkle“, die im Rahmen eines Ortsbegangs des Gemeinderats angeregt und federführend von Tobias Böttner vom Meßstetter Hauptamt begleitet wurden, bringen die Menschen wieder zusammen: „Jetzt, wo die Coronazahlen auch im Zollernalbkreis stark gesunken sind.“ Frank Schroft kann sich gut vorstellen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger nach der langen, pandemiebedingten Pause sehr über spontane und zufällige Begegnungen am „Mitfahrbänkle“ freuen – einen freundlichen Plausch gern eingeschlossen. In den vergangenen Tagen hat das Meßstetter Bauhof-Team die zehn Bänke in der Gesamtstadt und in den Stadtteilen aufgestellt. Ausgewählt wurden zentrale, viel befahrene Stellen im Ort. Alle Standorte wurden so ausgesucht, dass die Fahrzeuge anhalten können, ohne den nachfolgenden Verkehr zu beeinträchtigen. Zudem sollen die Mitfahrer gefahrlos einsteigen können. Gefertigt hat die Bänke die Lebenshilfe Zollernalb: Es handelt sich – das passt zur am höchsten gelegenen Stadt in Baden-Württemberg – um so genannte „Albkult“-Bänke.

Wie das Ganze funktioniert? Die Regeln sind einfach. Wer auf dem Mitfahrbänkle sitzt, signalisiert: „Ich möchte gerne mitgenommen werden.“ Der oder die Wartende muss lediglich den Pfeil mit dem direkten Fahrziel oder der Fahrtrichtung umklappen. Verpflichtet einzusteigen, ist aber niemand: Bei einem schlechten Bauchgefühl bleibt man lieber noch eine Runde länger auf dem „Bänkle“ sitzen. Genauso wenig müssen die Autofahrer zwingend eine Fahrgelegenheit anbieten. Die Stadtverwaltung bittet Autofahrer aber ausdrücklich darum, keine Kinder unter 14 Jahren mitzunehmen, die alleine unterwegs sind. Eltern wiederum müssen ihren Nachwuchs sensibilisieren, sich weder auf ein „Mitfahrbänkle“ zu setzen, noch in ein fremdes Auto einzusteigen. Versichert sind Mitfahrende grundsätzlich über die Haftpflichtversicherung des Autofahrers.

Die Gesamtkosten für die Mitfahrbänkle beziffert die Stadt Meßstetten auf rund 14.200 Euro. Eingerechnet sind dabei die Kosten für die Bänke von rund 6.060 Euro sowie alle Arbeiten des Bauhofs, beispielsweise für die Vorbereitung des Untergrunds, notwendige Pflasterarbeiten oder Maschinenstunden.

Die „Mitfahrbänkle“ der Gesamtstadt Meßstetten im Überblick:

- Meßstetten: Hauptstraße 16 (vor Metzgerei Müller), Kreuzung Ebinger Straße/Konradstraße, Edeka-Koch-Markt, Wohnsiedlung Bueloch (Max-Eyth-Straße)

- Hartheim: Römerstraße (bei der Werbetafel)

- Heinstetten: An der Hilb

- Hossingen: Kapfstraße 2

- Oberdigisheim: Widumstraße 6

- Unterdigisheim: ehemaliges Adler-Areal

- Tieringen: Rathausgasse 2 (am Rathaus)