Kindergartenkinder in Tieringen beziehen ihr neues Domizil

Donnerstag, 18. Februar 2021

Nach gut 20 Monaten Bauzeit konnte die neue Kindertagesstätte in Tieringen fertiggestellt werden. Auf stattlichen 900 Quadratmetern ist für die Kinder ein wahres Spielparadies mit 5 Gruppenräumen, jeweils einem zugehörigen Neben- oder Schlafraum, Kreativ- und Werkräumen, einem Mehrzweckraum und vielem mehr entstanden. Hinter jeder Tür erwartet die Kinder ein anderes Themengebiet. Die einzelnen Funktionsbereiche reihen sich ähnlich einer Straße aneinander.

In fünf Gruppen bietet der neue Hort Platz für insgesamt 80 Kinder und ist damit neben der Kita Bueloch die größte Einrichtung im Stadtgebiet. Am 11. Januar haben die Erzieherinnen und die momentan zur Notbetreuung anwesenden Kinder ihr neues Domizil bezogen. Die offizielle Schlüsselübergabe fand jüngst im Rahmen eines Pressetermins statt. Mit den Worten: "Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung", zitierte Bürgermeister Frank Schroft eingangs den früheren US-Präsidenten John F. Kennedy. Im Sinne dieses Zitats hätten es sich der Gemeinderat und die Stadtverwaltung zur Aufgabe gemacht, den Bildungsstandort Meßstetten kontinuierlich zu verbessern. Dies fange bei einem bedarfsgerechten Ausbau der Infrastruktur im Bereich der Kindertagesstätten und passgenauen Betreuungsangeboten an.

Nachdem man im vergangenen Jahr mit der Kita "Am Blumersberg" eine zusätzliche Einrichtung geschaffen habe, "stehen für unsere kleinsten Einwohnerinnen und Einwohner im Hauptort und den Stadtteilen nun 11 moderne Kitas zur Verfügung", so Bürgermeister Schroft weiter.

"Unser Ziel ist es, für junge Familien die Vereinbarkeit von Familienleben und Beruf zu verbessern." Allein seit dem Jahr 2017 habe der Gemeinderat dafür die Schaffung von 5,5 neuen Gruppen beschlossen und damit einhergehend seien in den städtischen Kitas über 20 neue Fachkraftstellen geschaffen und besetzt worden. Heute beschäftige die Stadt Meßstetten rund 70 pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den städtischen Kitas, die sich insgesamt rund 50 Vollzeitstellen teilen.

Diese Bildungsoffensive spiegle sich auch in den umfangreichen Investitionen in die Grundschulen und die beiden Schulzentren für die weiterführenden Schulen wider. Für junge Menschen aus Meßstetten und den umliegenden Gemeinden wolle man eine hervorragende Basis für ein erfolgreiches Berufsleben schaffen. "Wir unterstreichen damit unsere Ambitionen, eine familienfreundliche Stadt zu sein, in der junge Familien eine gute Perspektive haben."

Auch für Unternehmen sei Familienfreundlichkeit ein wichtiger Standortfaktor, was man in Tieringen an der Belegung einiger Kitaplätze durch Kinder von Mitarbeitenden örtlicher Unternehmen bereits sehen könne. Bürgermeister Schroft nutzte in diesem Zusammenhang die Gelegenheit auch für Dankesworte an die beiden großen Tieringer Firmen – an die Firma Interstuhl für die finanzielle Unterstützung der Stadt in ihrer Funktion als Kindergartenträger und an Herrn Larsén/Mattes von der Firma Mattes & Ammann für die Veräußerung der benachbarten Grundstücke, das die Realisierung einer deutlich großzügigeren Außenanlage der neuen Kita ermögliche.

Nach den Worten von Bürgermeister Schroft "ist in Tieringen eine neue Kita entstanden, die keine Wünsche offenlässt und maßgeschneiderte Betreuungsformen anbietet". Im Hinblick auf die Baukosten in Höhe von rund 2,3 Mio. Euro zzgl. Ausstattung stellte er fest, dass dies die mit Abstand größte Einzelinvestition der Stadt Meßstetten im Bereich der Kitas sei. Andererseits berichte die örtliche Presse momentan über den Bau von vergleichbar großen Kitas in der Umgebung mit teils deutlich höheren Kosten, so dass bei der Kita Tieringen sicherlich von einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis gesprochen werden könne.

Abschließend hob er die kurze Zeitspanne hervor zwischen der Einstellung einer ersten Planungsrate für die Erweiterung der Kita Tieringen in den Nachtragshaushalt der Stadt vom 23.6.2017 und der Beauftragung des Architekturbüros Eppler + Bühler mit der Detailplanung am 13.10.2017. In diesem Zusammenhang zitierte er Tieringens Ortsvorsteher Jürgen Löffler, nach dessen Worten "der Ortschaftsrat Tieringen damals selber positiv überrascht war, wie schnell dieses Großprojekt in unserem Sinn auf den Weg gebracht wurde".

Bürgermeister Schroft bedankte sich bei allen, die an der Planung, Gestaltung und der Realisierung der neuen Kita beteiligt waren. Dem Kita-Team um Leiterin Melanie Kimmich dankte er für die wertvolle Arbeit in der anstrengenden Zeit des Neubaus und wünschte dem Team künftig viel Erfolg und Freude in den neuen Räumlichkeiten. Den Kindern wünschte er eine erlebnisreiche und vor allem glückliche Zeit, an die sie später gerne zurückdenken.

Anschließend beleuchtete Architekt Martin Bühler das Bauvorhaben im Detail. Mit der Beauftragung der Stadt Meßstetten im Herbst 2017 habe eine gut dreijährige erfolgreiche Zusammenarbeit begonnen. Bereits im April 2018 seien die Entwurfsplanung sowie die behördlichen Abstimmungen so weit fortgeschritten gewesen, dass Anfang Mai der Bauantrag gestellt und im April 2019 mit den Rohbauarbeiten begonnen werden konnte.

Obwohl sich die Substanz des alten Kindergartengebäudes schlechter als erwartet erwiesen habe und somit bis auf den Keller das gesamte Gebäude rückgebaut werden musste, sei es gelungen, die entstandenen Mehrkosten und Zeitverzögerungen im Verlauf der Bauphase wieder komplett aufzufangen. Auch Herr Bühler bezeichnete die Baukosten in Höhe von 2,3 Mio. im Hinblick auf vergleichbare aktuelle Kita-Neubauten benachbarter Kommunen als günstig.

Sein Architekturbüro habe das Ziel verfolgt, das Raumprogramm ebenerdig umzusetzen, um Wege kurz zu halten, Unfallrisiken zu minimieren und die Barrierefreiheit zu erhöhen. Unter dieser Vorgabe sei eine zentrale Erschließungsachse entstanden, an der sich die Funktionsbereiche vergleichbar einer Straße aneinanderreihen. Diese diene auch als Bewegungs-, Begegnungs- und Kommunikationsbereich. "Ähnlich einer richtigen Straße öffnen sich Plätze, ändert sich die Breite, werden Aus- und Einblicke geboten, Blickbeziehungen nach außen geschaffen und sowohl von der Seite als auch von oben belichtet", so der vom umgesetzten Konzept sichtlich begeisterte Architekt. Im Innenbereich habe man eine kindgerechte helle Atmosphäre erzeugt. Durch großzügige Fenster und Fassaden werde zudem eine intensive Verbindung zum Außenbereich hergestellt. "Wichtig war uns auch die Verwendung von ökologisch sinnvollen und vor allem schadstofffreien Materialien." Massivholz habe diese Anforderungen sowohl im konstruktiven Bereich als auch im Innenausbau erfüllt. Eine umweltschonende Pelletheizung runde das Konzept ab.

Einen lebhaften Einblick in die Kita und das Leben darin vermochte deren Leiterin Melanie Kimmich zu gewähren. Demnach stehen den Kindern und Erzieherinnen neben den fünf Gruppenräumen mit jeweils einem zugehörigen Neben- oder Schlafraum ein Kreativ- und Werkraum, ein Mehrzweckraum, eine Mensa, Büro- und Besprechungsräume sowie Materialräume zur Verfügung. "Unsere Kita ist als offenes Haus geplant und gebaut. Das bedeutet, dass die Kinder den ganzen Tag über frei wählen können, was, wo und mit wem sie gerne spielen möchten", so Melanie Kimmich. Diesem Konzept liege die Haltung zugrunde, dass ein Kind von Natur aus seine Welt entdecken und begreifen möchte. Daher sei das freie Spiel in der Kita sehr wichtig. Das Kind suche sich ganz unbewusst die Themen und Aufgabengebiete heraus, die es aktuell interessieren, beschäftigen und begeistern. Die pädagogische Fachkraft beobachte und begleite hierbei das Kind individuell. So eigne sich ein Kind Wissen durch selbstständiges Tun, Entdecken und Erfahren an und könne sich seine Welt Stück für Stück erschließen.

"Dies geschieht dabei stets unter Einbezug der verschiedenen Sinne und aufgrund der Individualität von uns Menschen in einzigartiger Weise - es ist somit als ganzheitliches, konstruktives Lernen zu verstehen." Ganz nebenbei und fast unbemerkt werde die soziale Kompetenz des spielenden Kindes trainiert, die Fantasie angeregt, die sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten gefördert und motorische Abläufe geübt und weiterentwickelt.

In der Kita seien hierfür vielfältige Bildungsinseln geschaffen worden: So beherberge jeder einzelne Gruppen- und Nebenraum eine ganz bestimmte Bildungsinsel wie beispielsweise den Kreativbereich, den Bereich des Bauens, Forschens und Konstruierens, den Rollenspielbereich inklusive Spiele und Puzzles. Dies gelte auch für die Nebenräume, in denen beispielsweise ein Musikzimmer mit verschiedenen Instrumenten und der Möglichkeit zum Singen und Tanzen entstanden sei. Ein Highlight sei auch der "Plantsch-Bereich" in einem der Waschräume.

Aufgrund der Corona-Pandemie könne derzeit leider nur eine Notbetreuung angeboten werden, so Melanie Kimmich abschließend.

Ortsvorsteher Jürgen Löffler bedankte sich im Namen des Ortschaftsrates für die neue Kindertagesstätte, insbesondere bei Bürgermeister Frank Schroft, Hauptamtsleiter Berg, Herrn Fecker und Herrn Wissmann vom Bauamt sowie dem Gemeinderat, der die erforderlichen Mittel bereitgestellt hatte. Er erinnerte an die beengten Platzverhältnisse im bisherigen Kindergarten und die ersten Überlegungen zur Erweiterung. Seitens des Ortschaftsrates habe man damals nicht gedacht, dass eine derart schnelle und unbürokratische Planung mit dem Ergebnis eines Neubaus des Kindergartens im jetzigen Umfang möglich ist. Er lud ein zu einer öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrates Tieringen am 18. Februar 2021, 20.00 Uhr, in der Schlichemhalle. Im Rahmen dieser Sitzung werde die Planung der Außenanlage der Kita durch das Stadtbauamt vorgestellt und beraten. Dem Gremium sei es ein wichtiges Anliegen, die Außenanlage auch im Einvernehmen mit den Anwohnern zu gestalten.