Präsentation Heimatbuch der Gesamtstadt Meßstetten

Donnerstag, 05. Dezember 2019

 

Zahlreiche geschichtsinteressierte Mitbürgerinnen und Mitbürger, Gemeinderäte, Ortsvorsteher und Ortschaftsräte konnte Bürgermeister Frank Schroft am Samstag im voll besetzten Sitzungssaal des Rathauses zur Präsentation des ersten Heimatbuches der Gesamtstadt Meßstetten begrüßen. Sein besonderer Willkommensgruß ging an die Herausgeber des Heimatbuchs Frau Prof. Dr. Sigrid Hirbodian, Herrn Prof. Dr. Andreas Schmauder und Herrn Manfred Waßner sowie die weiteren Mitglieder des Autorenteams Herrn Prof. Dr. Rainer Loose, Frau Dr. Ingrid Helber, Frau Stefanie Leisentritt, Herrn Dr. Christoph Morrissey, Herrn Dr. Andreas Zekorn, Herrn Dr. Andreas Heusel und Frau Sophie Prasse.

Zu Beginn seiner Ausführungen stellte Bürgermeister Schroft heraus, dass die Stadt Meßstetten mit ihren Stadtteilen bisher über keine fundierte, allgemeinverständliche und dennoch wissenschaftlichen Grundsätzen genügende Darstellung ihrer Geschichte verfügte. Dabei reicht diese weit zurück und bietet auch zahlreiche überregionale Ansatzpunkte. Er zeigte sich deshalb hoch erfreut das neue Heimatbuch „Eine Stadt im Wandel der Zeit – Die Geschichte von Meßstetten und seinen Ortsteilen Hartheim, Heinstetten, Hossingen, Oberdigisheim, Unterdigisheim und Tieringen“ in Händen halten zu dürfen., für das der Gemeinderat im Jahr 2017 seine Zustimmung gab und Haushaltsmittel in Höhe von 155.000 Euro bereitstellte.

Die Geschichte der Stadt Meßstetten und seiner Teilorte werde so lebendig gehalten. Bilder, Karten, Texte seien zu einem Fundus einer unterhaltsamen und gleichzeitig verständlichen, wissenschaftlichen Wanderung durch die Jahrhunderte von den Anfängen bis heute geworden.

Heimat, so Bürgermeister Schroft weiter, sei dabei „immer die Möglichkeit der Identifikation, die uns in unserer Einstellung, unserer Mentalität und Werteauffassung maßgeblich prägt. So wird sie zum Ort des Vertrauens. Das ist die Dimension von Raum, Zeit und Kultur. Gleichzeitig hat unser Begriff der Heimat immer auch eine wirtschaftliche und soziale Ausrichtung. Gemeinschaft und Tradition, vertraute Lebenswelt und soziale Zugehörigkeit erfahren wir in der Heimat, die zu unserem „zu Hause“ geworden ist und: Die zunehmende Affinität der Menschen zu den Produkten aus „ihrer Region“ ist dabei auch sozioökonomische Identität.“ Johann Gottfried von Herder habe den Begriff Heimat einmal auf den Punkt gebracht mit den Worten „Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss“.

Anschließend übergab Bürgermeister Schroft das Wort an Frau Prof. Dr. Hirbodian, Direktorin des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen. Sie nannte die Eckdaten des Projekts und stellte dabei heraus, dass das neue Heimatbuch in erster Linie ein Buch für die Stadt und seine Bewohner/innen sei. Es sei ein wissenschaftlich fundiertes Werk für die breite Öffentlichkeit.

Angekündigt von Manfred Waßner, dem Direktor des Kreisarchivs Esslingen und ebenfalls Herausgeber des Heimatbuchs stellten anschließend die acht anwesenden Autorinnen und Autoren in sehr sympathischer und interessanter Weise ihr jeweils erarbeitetes Kapitel vor.

Den Anfang machte Prof. Dr. Rainer Loose mit dem Kapitel „Wo die Alb am höchsten ist – Meßstettens natürliche Grundlagen“, das über die landschaftlichen Begebenheiten, über Klima und Vegetation von Meßstetten berichtet.

Mit frühgeschichtlichen Ausgrabungen beschäftigte sich Dr. Christoph Morrissey in seinem Kapitel „Kelten, Römer, Alamannen: Der Meßstetter Raum in vor- und frühgeschichtlicher Zeit“. Dabei berichtete er über Funde und Grabhügel bei Hossingen und Tieringen.

Manfred Waßner selbst berichtete über das 8. und 9. Jahrhundert, in denen die Erstnennungen von Meßstetten, Hartheim, Heinstetten und Oberdigisheim zu finden sind. Dazu recherchierte er intensiv im Archiv von St: Gallen, an dessen Kloster im 8. Jahrhundert Schenkungen aus dem Meßstetter Raum gemacht wurden, wie z.B. Hartheim und Oberdigisheim.

Mitherausgeber und Autor Prof. Dr. Andreas Schmauder erarbeite Meßstettens Geschichte im hohen und späten Mittelalter, die von den Grafen von Zollern und Hohenberg sowie Rittern und Burgen mit Leibeigenen in fast allen Orten erzählt.

Im Kapitel „Dörfliches Leben vom 18. bis ins 20. Jahrhundert im Spiegel der Ruggerichte und Gemeindevisitationen in Hossingen, Meßstetten, Oberdigisheim und Tieringen“ berichtet Dr. Andreas Zekorn über diese Art von Versammlungen aller Bürger, womit damals nur die Männer gemeint waren. Dabei wurde die Gemeindeverwaltung geprüft, Ämter neu besetzt und Bürger konnten Beschwerden vorbringen. Meßstettens ehemaliger Bürgermeister Erwin Gomeringer wehrte sich gegen diese Visitationen, die infolgedessen 1969 eingestellt wurden.

Dr. Andreas Heusel schrieb im Kapitel „Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien“ über die Pläne einer Heubergbahn aus dem Jahre 1908, die von Ebingen auf den Heuberg führen sollte, um dort Industrie anzusiedeln. Außerdem konnte er von zahlreichen Auswanderungen berichten; meistens zog es die Meßstetter in die USA, wobei im Jahr 1833 die Hartheimerin Ursula Kille ein anderes Ziel hatte, sie wanderte nach Unterdigisheim aus.

Gleich zwei Kapitel schrieb Stefanie Leisentritt M.A. Sie erarbeitete die Zeiträume von 1918 bis 1945 und die Zeit danach bis zur Gegenwart. Meßstetten und seine Ortsteile entwickeln sich zu einer modernen Stadt durch die Kanalisation, die Wasser- und Stromversorgung und durch die Bundeswehr als wichtigen Arbeitgeber. In den 70er Jahren erfolgten die Gemeindereform mit der Eingemeindung der 6 Teilorte und schließlich die Stadterhebung am 1. Juli 1987.

Abschließend berichtete Dr. Ingrid Helber in euphorischer Art und Weise über „Baudenkmale und bemerkenswerte Gebäude“ in Meßstetten und seinen Ortsteilen, so z.B. über den wertvollen Flügelaltar, der bis 1907 in der Heinstetter Kirche St. Agatha stand und nun im Freiburger Münster zu finden ist.

Großer Dank ging an die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins um seinen Vorsitzenden Heinz Roth, die wesentlich am Heimatbuch mitgearbeitet und die Autoren tatkräftig unterstützt haben.

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