Der 3. Bürgerempfang der Stadt Meßstetten stand ganz im Zeichen des Ehrenamts

Donnerstag, 13. Juni 2019

Die in den Farben des Meßstetter Corporate Designs beleuchtete und ansprechend dekorierte Heuberghalle bildete einen hochwertigen Rahmen für den 3. Bürgerempfang der Stadt Meßstetten. Gleiches gilt für die perfekt vorgetragenen musikalischen Einlagen von Katja Steidle und Ferdinand Raiber aus Heinstetten. Bürgermeister Frank Schroft nutzte das imposante Forum, um über aktuelle kommunalpolitische Themen und Projekte zu informieren. Wie in den Vorjahren, hatte er dabei auch einige Neuigkeiten parat: So gab er z. B. den Standort für das geplante Ärztehaus bekannt und kündigte an, in Kürze eine Machbarkeitsstudie für die Herstellung eines Kunstrasenplatzes auf dem Sportplatz Eichhalde vorzustellen. Als Gastredner präsentierte er keinen Geringeren als den Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July. „Ehrenamt – unverzichtbares Element einer lebendigen Bürgergesellschaft“ war der Inhalt seines Vortrags.

Sichtlich erfreut konnte Bürgermeister Frank Schroft auch beim 3. Bürgerempfang der Stadt Meßstetten über 500 Gäste begrüßen. Für die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung bedankte er sich bei den vielen Helfern, darunter den Hausmeistern, den Bauhof- und Rathausmitarbeitern sowie den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Meßstetten, welche die Bewirtung übernahm.

Zum Einstieg in seine Ansprache wählte er ein Zitat von Heribert Prantl, Autor und  Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, der in der Wochenendausgabe vom 18. / 19. Mai 2019 einen bemerkenswerten Artikel zum Thema „Heimat ade“ geschrieben hat. Unter anderem stellt er fest: „Der Zug in die Ballungsgebiete, die Entvölkerung des Landes, die Vernachlässigung der Provinz – es ist nicht einfach nur ein Zug der Zeit. Es ist auch eine politisch gefährliche Angelegenheit. Es braucht neue Technik, Glasfaserkabel, schnelle Datenleitungen bis ins letzte Dorf. Die Debatte, was das für die Arbeitswelt bedeutet, hat erst begonnen. Einige Pendelei wird sich dann in Zukunft vermeiden lassen. Einen Weckruf braucht die ganze deutsche Provinz.“ Dieser Aussage zustimmend, empfahl Bürgermeister Schroft Herrn Prantl einen Besuch in Meßstetten um festzustellen, „dass wir gemeinsam und entschlossen die richtigen Weichen für eine gute Zukunft teilweise schon gestellt haben“. Die Agenda Meßstetten 2030 sei dafür das beste Beispiel. Sie müsse auch die nächsten Jahre konsequent weitergeführt und umgesetzt werden.

Als einen ersten Aufbruch im Hinblick auf die Nachnutzung des Konversionsgeländes wertete er die Zusage, dass Meßstetten Standort einer der 21 Bezirksforstdirektionen des Landes Baden-Württemberg werde sowie die von Landrat Günther-Martin Pauli angekündigte Prüfung von Teilauslagerungen der Landkreisverwaltung auf den Geißbühl. Gleichzeitig hob er hervor, diese Zusagen nicht als Ende der Konversionsbemühungen zu sehen, sondern als Anfang. Es sei eine Chance, die genutzt und gepflegt werden sollte. In Richtung derjenigen, die damit nicht zufrieden sind, gab er zu bedenken: „Zerreden bringt uns dabei nicht weiter - im Gegenteil: Wir würden weiter auf der Stelle treten in dem Gefühl, dass es auch im Kreisverkehr immer vorwärts geht“. Nach wie vor mache er sich stark für ein interkommunales Gewerbe- und Industriegebiet, welches aktuell ebenfalls zügig an Fahrt aufnehme.

Zur Optimierung des Tourismusangebots regte er einen Runden Tisch „Tourismus“ an, um eine attraktive, professionelle und gemeinsame Strategie zu entwickeln. Tourismus könne gerade mit der herrlichen Landschaft in der Region noch mehr zu einer bedeutenderen regionalen Wertschöpfung werden. Bezüglich der beim Bürgerempfang 2018 thematisierten Prüfung einer Prädikatisierung Meßstettens als Luftkurort führe die Stadtverwaltung bereits intensive Gespräche mit dem Regierungspräsidium Tübingen und arbeite einen umfangreichen Katalog der Kriterien ab, die erfüllt sein müssen, um sich „Luftkurort“ nennen zu können.

Bereits in vollem Gange seien die Bemühungen um eine zusätzliche Pflegeeinrichtung und um ein Ärztehaus. Mit der Benevit – Holding und ihrem Geschäftsführer Kaspar Pfister sei man in engem Kontakt und vertrauensvollen Gesprächen. Bürgermeister Schroft zeigte sich zuversichtlich, in Bälde die konzeptionelle Planung präsentieren können. Der Gemeinderat habe zur Realisierung dieses Projektes bereits wegweisende Entscheidungen zum Grunderwerb getroffen. „Ich kann Ihnen heute mitteilen, dass die Stadt bereits das notwendige Grundstück mit einer Größe von 4.965 m² links der Hossinger Straße, hinter der Heubergpassage beginnend Richtung Ortsausgang nach Hossingen, aufgekauft hat, welches als Standort für dieses Millionenprojekt unsererseits vorgesehen ist“.

Als weitere Neuigkeit informierte er über eine Machbarkeitsstudie für die Herstellung eines Kunstrasenplatzes auf dem Sportplatz Eichhalde. Diese werde er dem Gemeinderat in Kürze vorstellen. Mit dem Kunstrasenplatz beseitige man nicht nur einen städtebaulichen Missstand am Ortseingang von Albstadt her kommend, sondern schaffe auch beste Voraussetzungen für einen attraktiven und wetterunabhängigen Betrieb für die sporttreibenden Vereine der Gesamtstadt Meßstetten.

Vorwärts komme man auch beim künftigen Sport- und Freizeitgelände auf dem Blumersberg. Die ersten Arbeiten zur Herstellung eines Dirt-Parks, so Bürgermeister Frank Schroft weiter, beginnen bereits Mitte Juli, „sodass pünktlich – wenn das Wetter mitmacht – zu den Sommerferien dieser unseren Jugendlichen und Bike-Begeisterten als weiteres attraktives Freizeitangebot zur Verfügung steht“. Die Wünsche und Anregungen der im Vorfeld der Diskussion gegründeten Bürgerinitiative hätten ebenso Berücksichtigung gefunden, wie die des Jugendforumsvorstands der Stadt Meßstetten.

Anschließend leitete er über zum Thema des Abends, dem Ehrenamt. Dieses bezeichnete er als „Leuchtturm an Nächstenliebe, Solidarität und gelebtem Humanismus in der sogenannten Bürgergesellschaft“. Jeder in Not geratene, jeder Benachteiligte, jeder ohne Zuwendung durch die Familie oder den Freundeskreis bekomme Unterstützung und Hilfe durch viele ehrenamtlich tätige Menschen. „Sie fragen nicht nach dem Warum, sie tun einfach. Sie opfern ihre Freizeit im Dienste der Nächstenliebe, der Solidarität, der Menschlichkeit. Ja, sie tun es, wie beispielsweise bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem DRK und dem THW, zuweilen mit dem Einsatz der eigenen Gesundheit und sogar auch zum Teil unter lebensgefährlichen Bedingungen“. Auch all die ehrenamtlich Tätigen, die sich im vielfältigen Vereinsleben der Gesamtstadt engagieren, einsetzen und viel Zeit dafür verwenden, ein attraktives Freizeitangebot für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger zu gewährleisten, schloss er in seinen Dank mit ein - verbunden mit dem herzlichen Wunsch, „dass Sie sich auch in Zukunft für unser Gemeinwesen so tatkräftig einsetzen und somit für ein gutes Miteinander und eine gute Gemeinschaft vor Ort sorgen“.

Nach diesen Worten überließ er Dr. h.c. Frank Otfried July das Rednerpult für seine  Festrede zum Thema „Ehrenamt – unverzichtbares Element einer lebendigen Bürgergesellschaft“. Frank Otfried July, seit 2005 Landesbischof, erinnerte sich am Beginn seiner Ausführungen an einen Besuch der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Meßstetten vor drei Jahren. “Ich konnte mich von dem riesengroßen Engagement der Menschen hier überzeugen. Von Hauptamtlichen natürlich, aber besonders Ehrenamtlichen“. Darum, um das Ehrenamt, solle es heute gehen. Sein Beitrag könne nicht anders beginnen, als mit einem großen Dank. „Ich möchte Ihnen heute dafür danken, was Sie mit anderen hier geleistet haben und immer noch leisten. In der Landeserstaufnahmestelle waren insgesamt rund 28.000 Menschen, zwischenzeitlich mehr als 3.500 gleichzeitig. Das gemeinschaftliche ehrenamtliche Engagement in diesem vielfach auch schwierigen Arbeitsfeld haben Sie gestemmt - und darauf können Sie stolz sein. Und auch außerhalb der Flüchtlingsarbeit engagieren Sie sich ehrenamtlich, in der Kirche, in Vereinen, im kommunalpolitischen Bereich, in der Nachbarschaftshilfe, um nur einiges zu nennen. Danke dafür!“

Nach diesem flammenden Plädoyer für die ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger in Meßstetten befasste er sich eingehend mit dem Thema Ehrenamt und bemühte dabei zunächst eine Karikatur aus der Straßenzeitung Trottwar mit dem Titel „Wenn’s irgendwo klemmt...“. Diese zeige eine ältere Dame im Rollstuhl. Sie beobachte aufmerksam, wie hinter ihr ein freundlich lächelnder Mensch mit einem gelben Ölkännchen das Kugellager ihrer Rollstuhlräder ölt. Die Karikatur habe ihn angesprochen, weil sie so deutlich zeige, was Ehrenamt bedeutet: „Hier verschenkt ein Mensch eigene Lebenszeit, das, was er oder sie hat. Und dieser Mensch bekommt ganz offenbar etwas zurück, das ihn oder sie lächeln lässt.“ „Zeit schenken und sich gut fühlen“, so beschreibe der Autor Michael Lehmann vom SWR in der dazugehörigen Geschichte das, was sich dahinter verbirgt: „Dass hier ein Mensch die verschenkten Stunden nicht zählt. Sie sich nicht bezahlen lässt, und dennoch selbst reicher dadurch wird.“

Das Ehrenamt komme schon in der Bibel vor. Im 1. Korintherbrief und im 1. Petrusbrief gäbe es jeweils ein ganzes Kapitel über das Ehrenamt. Es sei interessant, dass die Kirche sich von ihrer Entstehung her durch ehrenamtliches Handeln definiere, ohne es so zu nennen. Sie habe begonnen als eine Sammlung von überwiegend ehrenamtlich zusammengehaltenen christlichen Synagogen, die sich immer mehr zusammenschlossen und dabei eine hierarchische Struktur entwickelten. „Ohne das hohe ehrenamtliche Engagement ihrer Mitglieder wäre dies undenkbar gewesen“, so der Landebischof weiter.

Die erste bedeutende ehrenamtliche evangelische Vereinigung habe aus Londoner Kaufleuten bestanden und sich ab 1649 der Verbreitung des Evangeliums unter den Indianern Nordamerikas gewidmet, z. B. durch die Gründung von Wohlfahrtsschulen für arme Kinder und das Sammeln von Geld für die Armen. Ende des 18. Jahrhunderts habe sich eine ehrenamtliche christliche Gesellschaft mit Nachdruck für die Abschaffung der Sklaverei eingesetzt.

Ehrenamt werde heute weitgehend so verstanden, wie die erwähnte Karikatur es aufscheinen lässt: Wer anderen hilft oder eine gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, der habe auch für sich selbst einen Gewinn. Wer ehrenamtlich tätig ist, beteilige sich an etwas Größerem und gestaltet es mit, bringe die eigene Kompetenz ein und könne sie schärfen, bekomme hoffentlich wohltuende Wertschätzung und bilde sich auf diese Weise weiter. Wer heute ein Ehrenamt übernimmt, lege immer seltener Wert darauf, nur für selbstlos gehalten zu werden. Die Sache verschaffe ihm auch eine innere Befriedigung. Sie lohne sich. Sie könne und dürfe Spaß machen.

Durch ehrenamtliches Engagement werde heute oft soziale Kompetenz erlernt, das was man früher in der Großfamilie, in der Nachbarschaft und in der Dorfgemeinschaft gelernt habe. Das schenke beiden etwas unverzichtbar Menschliches, denen, die das Ehrenamt ausüben, und denen, die davon profitieren können, so Landesbischof July.

Er betonte: „Das Ehrenamt hat sich gewandelt. Alle Institutionen einer lebendigen Bürgergesellschaft freuen sich, wenn Menschen sich bei ihnen für ein besonderes Anliegen einsetzen. Wir alle müssen lernen, dass das nicht mehr so selbstverständlich ist wie früher. Es ist daher wichtig, dass Ehrenamtliche sich mit ihrem Engagement gewürdigt und wertgeschätzt fühlen. Eine Ehrenamtskultur ist daher Basis für jede ehrenamtliche Arbeit.“ Abschließend dankte Landesbischof July nochmals allen, die ein Ehrenamt innehaben.

Nach seiner Rede überreichte ihm Bürgermeister Frank Schroft ein Präsent mit regionalem  Bezug und bat ihn, sich ins Goldene Buch der Stadt Meßstetten einzutragen.

Anschließend ehrte Bürgermeister Frank Schroft Mitglieder des Gemeinderats sowie der Ortschafträte für langjährige kommunalpolitische Tätigkeit. Er betonte dabei: „Wer sich heute in den Dienst seiner Kommune stellt, viel Zeit mit Vorbereitung, Beratungen, Sitzungen und Gesprächen verbringt, hat unser aller Anerkennung, unsere Achtung und unseren Dank verdient. Zumal auch unter dem Aspekt, dass man es in der Politik, vor allem auch auf kommunaler Ebene, nie allen recht machen kann. Irgendeiner wird eine Entscheidung, die viele für gut erachten, für falsch oder suboptimal halten.“ Politische Entscheidungsträger müssten immer offen für skeptische Fragen, kritische Anmerkungen und zuweilen auch heftigen Kommentaren sein. Das gebiete und sichere unser Grundgesetz und das verhindere Selbstgefälligkeit. Allerdings, so Bürgermeister Schroft weiter, sollte den gewählten Entscheidungsträgern und Verwaltungsmitarbeitern auch ein gewisses Grundvertrauen entgegengebracht werden. Auch das sei eine wesentliche Voraussetzung für ein gutes Miteinander auf kommunaler Ebene. Weitaus förderlicher sei es, wenn geäußerte Kritik mit konstruktiven und realistischen Verbesserungsvorschlägen verbunden werde.

Er zeichnete nachfolgende Mitglieder des Gemeinderats und der Ortschaftsräte aus.

Gemeinderat: Ernst Berger, Elke Beuttler, Kerstin Binder, Josef Fischer, Harald Horn, Achim Mayer, Marc Peter, Oliver Rentschler, Bernd Schlude und Doris Vivas (jeweils für 10 Jahre) / Richard Götz und Bodo Schüssler (jeweils für 20 Jahre) / Jürgen Clesle, Tarzisius Eichenlaub und Harald Eppler (jeweils für 25 Jahre)

Ortschaftsrat Hartheim: Alexander Kapla, Arnold Kleiner und Sonja Schweizer (jeweils für 10 Jahre) / Bernhard Dreher (für 25 Jahre)

Ortschaftsrat Heinstetten: Erwin Gomeringer (für 10 Jahre)

Ortschaftsrat Hossingen: Michael Bodmer und Daniel Pflumm (jeweils für 10 Jahre)

Ortschaftsrat Oberdigisheim: Frank Härter, Annette Schlagenhauf und Arnold Stingel (jeweils für 10 Jahre)

Ortschaftsrat Tieringen: Edgar Link und Herbert Narr (jeweils für 10 Jahre)

Ortschaftsrat Unterdigisheim: Karin Boss (für 10 Jahre) / Salvatore Bertolino und Hermann Butz (jeweils für 20 Jahre) / Werner Sauter (für 25 Jahre)

Während der letzten Liedvorträge des Duos Katja Steidle und Ferdinand Raiber öffnete sich der Vorhang zum letzten Hallendrittel, in dem ein köstliches Buffet auf die anwesenden Gäste wartete. Bei leckerem Essen und Getränken entstanden so angeregte Unterhaltungen. Gesprächsstoff hatte der Bürgerempfang ja genug geliefert.

Impressionen vom Bürgerempfang

Fotos vom Bürgerempfang Sie in der Bildergalerie.

Eine kurze Videosequenz mit tollen Eindrücken vom Bürgerempfang und einigen Statements anwesender Gäste finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Stadt Meßstetten.